Magic Leap macht Sprung in Praxis

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Magic Leap liefert seit Kurzem seine Mixed Reality-Geräte für Entwickler aus. Die Features sind interessant. Ob sich das Gerät im aktuellen Zustand für den professionellen Einsatz eignet, ist noch fraglich.

Nach langer Entwicklungszeit, Geheimhaltung und kurzfristiger Ankündigung hat Magic Leap nun mit der Auslieferung begonnen. Erste Reviews von Testern in der Presse sind geteilter Meinung. Wobei die Kritiker etwas zu überwiegen scheinen. Ausführliche Testbeschreibungen findet man beispielsweise bei Wired, CNET und The Verge. Auch Videos über die Tests sind schon verfügbar. Eine interessante Zusammenfassung gibt es zum Beispiel auf vrodo.

Hier soll es nun nicht um ein Wiederkäuen der schon gelaufenen Reviews gehen. Vielmehr wollen wir aus der Sicht von industriellen Anwendungen auf das Gerät schauen. Kann die Magic Leap-Datenbrille schon den hohen Anforderungen für professionelle Anwendungen standhalten? Wir sehen uns dazu die Urteile zur Akkulaufzeit, zum Sichtfeld und zum Tragekomfort an. Bei all den Kommentaren sollte man allerdings bedenken, dass Magic Leap die Mixed Reality-Datenbrille noch nicht für die professionelle Anwendung bewirbt. Es handelt sich explizit um ein Gerät für Entwickler, die Anwendungen erstellen.

Sichtfeld eingeschränkt

Zunächst schauen wir uns das Kriterium des Sichtfeldes an. Wichtig sind dabei zwei konkrete Parameter. Einerseits das frei verfügbare Sichtfeld für den Nutzer. Andererseits der Bereich des Sichtfeldes, der mit virtuellen Informationen überlagert werden kann.

Beide Parameter sind bei der Magic Leap eingeschränkt. Das frei verfügbare Sichtfeld ist etwas kleiner als bei normalen Brillen. Der Rahmen mit der eingebauten Sensorik nimmt relativ viel Platz ein. Er vermindert dadurch den Bereich, den der Nutzer durch die Brille sehen kann. Konkrete Test müssen noch die Praktikabilität zeigen. Fraglich könnte sein, ob das Sichtfeld in sicherheitskritischen Anwendungen hinsichtlich des Arbeitsschutzes ausreicht. Mit eingeschränktem Sichtfeld sieht der Mitarbeiter mögliche Gefahren zu spät oder vielleicht auch gar nicht.

Das Sichtfeld, welches mit Informationen aus der virtuellen Welt angereichert werden kann ist geringfügig größer als bei ähnlichen Datenbrillen. Der Winkel beträgt ca. 50 Grad. Bei der vergleichbaren HoloLens sind es noch ein paar Grad weniger. Damit fällt das Gefühl, dass man nur durch ein kleines Loch in die virtuellen Informationen schaut weniger störend aus. Allerdings gibt es damit auch bei der Magib Leap kritische Bereiche im Rand des Sichtfeldes. Diese können dann eben nicht mit virtuellen Informationen überlagert werden. Als Nutzer muss man dann sein Sichtfeld eben deutlich auf die Objekte richten, an denen Zusatzinformationen erwartet werden.

Tragekomfort

Die Datenbrille von Magic Leap besteht eigentlich aus zwei Teilen. Der erste – und auch deutlich sichtbare Teil – ist das eigentliche Brillengestell. Es bringt 325 Gramm auf die Waage und wird “Lightwear” genannt. Das ist in etwa so viel wie ein handelsüblicher Schutzhelm auf der Baustelle. Das Gewicht ist also für Mitarbeiter auch über längere Zeit verkraftbar. Wenn er natürlich Schutzhelm und Magic Leap-Datenbrille zugleich trägt, dann wird es mit über 600 Gramm schon schwierig.

Hinzu kommt noch ein mit Kabel verbundenes Gerät namens “Lightpack”. Es kann zum Beispiel am Gürtel befestigt werden. Es wurde also die Rechentechnik in diese beiden Teile aufgeteilt. Mit 415 Gramm ist das Lightpack verkraftbar.

Akkulaufzeit

Schließlich wird für professionelle Anwendungen häufig auch noch eine Akkulaufzeit für den ganzen Tag gefordert. Der Mitarbeiter soll ja nicht während der Arbeit den Akku wechseln müssen. Ansonsten ginge die gewünschte Effizienzsteigerung ja wieder durch Wartungsmaßnahmen verloren.

Und bei diesem Kriterium schneidet die Magic Leap leider sehr schlecht ab. Höchstens 3 Stunden kann das Gerät mit einer Akkuladung betrieben werden. Das ist nicht einmal die Hälfte eines regulären Arbeitstages. Zweimaliges Nachladen oder Akkuwechseln während eines Arbeitstages ist aber nicht vertretbar.

Genauigkeit des Trackings

Die Software und die zu erwartende Immersion spielen natürlich auch eine Rolle. Damit ist gemeint, dass der Nutzer möglichst gut in die virtuellen Informationen eintauchen können soll. Bei Mixed Reality soll es dabei um die Verschmelzung von Realität und Virtualität gehen. Entscheidend für ein gutes Verschmelzen ist bei Datenbrillen die Fähigkeit, mit welcher in der Datenbrille den jeweiligen Kontext des Nutzers erkennt. Das heißt im einfachsten Fall, welche relevanten Objekte sich im Sichtfeld des Nutzers befinden und welche Zusatzinformationen dementsprechend angezeigt werden müssen.

Die bisherigen Tester berichten, dass das Tracking gut, aber nicht immer stabil funktioniert. Bei Bewegungen des Kopfes kommt es vor, dass das virtuelle Objekt nicht unmittelbar folgt und ein bisschen hängt. An der Stelle würde sich dann die virtuelle Welt noch deutlich von der realen Welt abheben. Eine Verschmelzung ist also noch nicht vollständig gelungen.

Fazit

Im aktuellen Zustand ist die Magic Leap-Datenbrille ein interessantes Gerät, um Mixed Reality auszuprobieren. Auf Grund der Stabilität und mehrere Eigenschaften, die noch unzureichend sind, kann das Gerät aber noch nicht uneingeschränkt empfohlen werden. In Spezialanwendungen ist das Gerät aber wahrscheinlich heute schon geeignet.

Bildquelle: Magic Leap

 

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